Foia Release
Unknown Complete
23857122-1388-514451-0033
Confidence
1%
Credibility
1%
View original document ↗ hosted at the official government source
Full document text
9,313 characters, transcribed via OCR. Errors reflect the source scan. Compare with the original ↗
Mitglieder der BGL und AGL haben in
unseren Kinderferienlagern Kratzhammer
und Niedercolmnitz cine Lagerkontrolle
durchgeféhrt. Dab_i haben sie manches
Gute und Positive aber auch manche NV
festgestellt, iber die nachsichend folg
berichtet wird:
Gn
»Unser Bus kommt, unser Bus kommt!”
Mit diesem einstimmigen Jubelruf wurden wir
von den Kindern in Niedercolmnitz begriift.
Eine Menge Kinder drangte sich an den Bus
heran, und lebhaft wurde jeder Aussteigende
begriift. Die Kinder machten auf uns alle
einen sehr lebhaft frdhlichen und aufgeschlos-
senen Eindruck. In Kratzhammer hatten wir
das vermiBt. Trotzdem, auch dort begleiteten
Freudenrufe der Kinder unsere Ankunft.
-Wir lieben das frihliche Leben’
Unter dieses Motto kann man das Leben in
beiden Lagern stellen. Der im geregelten
Zeitplan festlicgende Tagesverlauf beginnt
frith 7 Uhr. Der Vor- und Nachmittag ist mit
Sport, Spiel und kleinen Wanderungen aus-
gefiillt. Langeweile gibt es nicht. Bei schlechtem
Wetter sorgen Biicher und Wiirfelspiele und
dergleichen fiir Abwechslung. 2 Stunden wird
Mittagsruhe aehalten. Wenn unsere Kinder
abends vom Tumme'n und vielen Tollen sich
miide niederlegen, ist die Zeit auf 20 Uhr
vorgeriickt. Manchmal machen sie auch ganz-
tagige Wanderungen. Von Kratzhammer aus
sind sie z. B. einmal nach Geising gewandert,
und in Niedercolmnitz erzahite man mir be-
geistert von einem Besuch der Talsperre
Klingenberg. Auf meine Frage nach dem Essen
bekam ich in beiden Lagern dieselbe Antwort :
Prima. Es cibt auch Braten und Pudding.
Wirkénnen manchmal gar nicht allesaufessen.”
Wir haben uns iiberzeugen kdnnen, das Essen
ist wirklich groBartig In Kratzhammer ist das
Essen, seitdem die Helferin Hantsch in der
Kiiche mit tatig ist, zum guten Qualitats-
essen geworden. Mit den Helferinnen und
Helfern halten es die Kinder tiberhaupt, weil
sie Vertrauen zu ihnen haben. Besonders in
Niedercolmnitz machen die Helfer alles mit
und stellen keine Pensionaterzicher mit ewig
drohend erhobenem Zeigefinger dar. Der
Kollege Préschold erzahite mir: .Mich haben
sie schon einmal ihrer 5 an den Armen, 5 an
den Beinen, in den Bach geschleift, diese
Bande.“ Ja, es geht in dem Lager recht frah-
lich zu. Aber es wird auch ernsthaft gearbei-
tet und gelernt. Viele haben sich das Touri-
ristenabzeichen erworben. Schéne Funde in
einem Schaukasten, wie z. B. Vogelfedern,
Raupen, Teichmuscheln und Insektenwaben,
sind die Beweise aufmerksamer Betrachtung
der sie umgebenden Natur. Geschricben wird
auch fleiBig. Sogar Schreibstunden sind an-
gesetzt, damit die Eltern zu Hause nicht zu
kurz kommen. - Disziplin mu® freilid) auch
herrschen. Wer unfolgsam war, mu® sich
schlafen legen, wahrend die anderen frohe
Spiele machen. Auch werden die Ungezogenen
von den Wanderungen ausgeschlossen, und
wenn es ganz schlimm ist, diirfen sie nicht an
der AbschluBfeier teiinechmen. In Niedercolm-
nitz haben sich die Kinder einen Freundschafts-
rat aus ihren eigenen Reihen gewahlt. Dieser
hat kiirzlich einen sehr harten Entschlu8 gefaft :
2 Kinder, die gestohien hatten, sollen nach
Hause geschickt werden. Das war aber bis
zur Stunde unseres Besuches nicht geschehen.
Zu Besuch in unseren Kinderferienlagern
-Kommen die Diebe heute fort?”
So fragte eink
en onlGBlich unseres
Besuches und glaubte, wir wiirden die beiden
Kinder doch eigent-
geholt sein
ther Fehler!
rch die Arbeit
s die Wirkung eines
nit zuriicknehmen, «
lich schon |
Diese
nen sollen, in diesem
Falle direkt um ihren Erfolg betrogen und
somit thin ist die
Riickfiit Kinder schon des
halb notwendig, um dadurch den Kindern ein
Schulbeispiel ur
schalfen: Wer st
unserer Gemei
unter uns z
¢ der SchluBfolgerung zu
t. stellt sich auBerhalb
nschaft und hat deshalb nichts
suchen. dern gibt das
ha'ten der hier erantwortlichen
den ewigen M
negative ur
rern und Miesmachern nur
neuen Néhrs! adfallig iber unser Kinder-
lager zu sprechen. Als cinzelne BGL-Mitglieder
davon Kenntnis erhielten, erkannten diese nicht
die Notwendigkeit. die Kinder in ihrem Be-
schlu8 zu starken und sorgten nicht fiir die
Riickfihrung der beiden Kinder. Auch von
der Werkleitung wurde keine entsprechende
MaBnahme gefordert. (Auf Grund unseres
Besuches wurden die beiden Kinder am nach-
sten Morgen abgeholt.)
»Wenn wir fiir die Kinder Bonbons
kaufen wollen, miissen wir erst mit
dem Wirt verhandein’,
sagie uns der Lagerleiter in Kratzhammer.
Das klingt zwar unméglich, ist aber leider
Tatsache. Der Beauftragte der Werkleitung,
Koll. Gansauge, hat mit dem Wirt einen Ver-
trag abgeschlossen, der ihm den Einkauf der
Lebenemittel und Bezahlung derselben in die
Hande legt. Uberhaupt sagt der Wirt dort
immer als standige Redensart: Der Herr
Gansauge hat gesagt - Der Herr Gansauge
hat bestimmt” usw. Wir fragen nun: Was hat
sich Kollege Gansauge eigentlich gedacht?
Er hat sich namlich, seit dem die Kinder in den
Lagern dort sind, noch nicht cin einziges Mal
sehen lassen. In Niedercolmnitz lauft der Ver-
trag Gher 140 Kinder, aber 197 sind oben.
Der Wirt vertangt nun berechtigter Weise
eine entsprechende Vertragsénderung. Des-
halb ist auch schon einige Male an unser
Werk gesdirieben worden. Koliege Gansauge
schweigt und 1&8t sich auch nicht sehen.
Wenigstens bis zur Stunde unseres Besuches
war es so.
Aber auch Mangel in der Unterbrin-
gung und Raumlichkeit
sind zu verzeichnen. Besonders in Kratzham-
mer ist dies der Fall. Der ols Schlaf- und
Aufenthaltsraum dienende Saal ist mit 128
Kindern viel zu stark belegt. Der Krankenraum
zu ebener Erde mit SteinfuBboden ist viel zu
kalt und unfreundlich. Ich halte ihn fiir diese
Zwecke sogar fiir untragbar. Eine ganz schlaue
Konstruktion ist dort der Abortbau. Er ist nur
teilweise tiberdacht, so da die Kinder ein
Stiick uniiberdachten Gang durchlaufen miis-
sen. Das ist natiirlich nachts, wenn die Kinder
avs dem Bett kommen. sehr ungiinstig. Hoffent-
lich ist das bis zur zweiten Belegung geandert.
Die Waschgelegenheit ist in Kratzhammer
auch nicht giinstig. Sie waschen sich im Bach
und bekommen nur zum Zéhneputzen warmes
Wasser. Die Kiiche ist fiir diesen Betrieb viel
zu klein. Auf dem Herd kecht es nur auf
einer Stelle. 3 groBe Tapfe aber miissen zum
Zubereiten einer Mahizeit gekocht werden.
SpaB macht es dort keinem, in der Kiiche zu
arbeiten. Der Wirt hat auch noch keine Kiichen-
hilfe gefunden. Ein scheinbarer Ausweg wurde
nun dadurch gefunden, indem unsere Helfe-
rin Hantsch in der Kiiche mitarbeitet und somit
dem Wirt sein Geld verdienen hilft! Schén ist
in Kratzhammer ein groBer Wiesenhang am
Gasthof und in zirka 100 m Entfernung eine
Sport- und Spielwiese. In Niedercol-mnitz gibt
es dagegen nur eine kleine Wiese. Auf dieser
steht nun auch noch eine Baracke als Speise-
raum fiir die Madchen. (Sie ist Gbrigens villig
kahl. Kein Bild oder Spruch oder sonstige
Ausschmiickung ist angebracht. Wird sich das
bald Gndern?) Sonst aber ist die Raumlichkeit
in Niedercolmnitz besser. Dort gibt es auch
sser im Waschbecken. Eine andere Frage
ist in beiden Lagern die Uniibersichtlidhkeit in
den Salen durch die ziemlich eng stehenden
Doppelstockbetten. Dadurch haben die Helfer
besonders wahrend der Sdilafzeiten wenig
Ueberblick. Einfache Betten waren besser.
In diesem Zusammenhang muf nun aber der
Eifer und Flei8 hervorgehoben werden mit
dem die Lagerleitung, die Helferinnen und
Helfer trotz dieser schwierigen Umstande den
Kindern ein paar frohe Ferienwochen bereiten.
Ein Lob auch den beiden Volkspolizisten, die
sich in Kratzhammer fast stiindlich intensiv um
das Lager kiimmern und ihre Aufgabe darin
sehen, es zu schiitzen.
Noch ein Wort an die Eitern
Gebt den Kindern nicht zuviel Geld mit!
3.- DM geniigen vollkommen. Sie haben witk-
lich satt zu essen und setzen dann viel Geld
bloB in Zuckerzeug um. Ubrigens bekommen
sie genug Zuckerzeug vom Lager aus. Ebenso
ist es unndtig. den Kindern ERpakete zu schik-
ken. Viel richtiger ist es, geniigend Briefmarken
mitzugeben. Besonders wichtig ist, da auch
die Eltern viel schreiben. Dabei ist aber latei-
nische Schrift erforderlich. Es ist vorgekommen,
daB ein Madchen den deutschgeschriebenen
Brief ihrer Mutti selbst nicht lesen konnte. Ist
es nicht besser, wenn die Eltern ihre Kinder
in den Lagern nicht besuchen? Dieser Bericht
beweist doch, da? die BGL und AGL inten-
sive Kontrollen durdhfihren und nach dem
Rechten sehen und somit die Werkleitung un-
terstitzen. Mangel werden aufgedeckt und
deren Abstellung gefordert.
Liebe Eltern, warum diese Mahnungen? Bitte
Gberlegt einmal: Vie! Geld, E@pakete und Fl-
ternbesuch erzeugen doch nur Neid und Mif-
gunst bei den Kindern; letzteres schiirt unter
Umstanden das Heimweh. Wir haben doch
bestimmt clie Vertrauen zu unseren Helfern
und den Lagerleitungen, denn sie sind der
Meinung, doB ihr ein Recht habt, dariiber be-
ruhigt zu sein: Eure Kinder sind in guten
H&nden, wahrend ihr im Werk eurer schweren
Arbeit nachgeht und heft, den Sozialismus
aufzubauen allen unseren Feinden zum Trotz.
Am Schlu8 sei gesagt: Diese frohen gliickli-
chen Ferientage miissen wir unseren Kindern
in aller Zukunft sichern. Noch klingt es mir in
den Ohren, was die Kinder bei frohem Spiel
dort sangen .Laft uns in Frieden weiter
ziehn und wandern . . .~
Heinz Ullmann, TAN-Biiro
Helft Dresden aufbauen!
Beteiligt euch alle am Auftausonntag,
dem 10. 8.1959.
Declassification Authority: NND 57565